Begriffserklärungen Tafel 1-3
- Klarissen/Klarissenorden: Der Klarissenorden geht auf die Heilige Klara von Assisi zurück, die sich im Jahr 1211 der Gemeinschaft des Heiligen Franziskus von Assisi (Franziskaner) anschloss. Kurze Zeit später gründet Klara eine eigene Frauengemeinschaft, die, wie die Gemeinschaft um Franziskus, ein Leben in Armut nach dem Vorbild Jesu führen soll. Klara verfasste eine entsprechende Ordensregel, die seit dem Jahr 1253 gilt.
- Achtzigjähriger Krieg: Im Achtzigjährigen Krieg (1568-1648) erkämpfte die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen, die etwa den heutigen Niederlanden entsprechen, ihre Unabhängigkeit von Spanien. Philipp I. von Habsburg, Landesherr über die Niederlande, hatte die spanische Königstochter Johanna geheiratet. 1504 wurde Johanna Königin von Spanien und die Niederlande somit spanisch. Der Krieg resultierte unter anderem aus unterschiedlichen Glaubensvorstellungen: Die katholischen Herrscher wollten ihre Konfession in den calvinistischen Niederlanden durchsetzen. Die Niederländer setzten sich zur Wehr. Der Krieg wurde 1648 zeitgleich mit dem Dreißigjährigen Krieg beendet.
- Vereinigte Niederlande: Die Vereinigten Niederlande – oder auch die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen – bestanden von 1581 bis 1795 und entstanden aus dem Unabhängigkeitskampf gegen Spanien im Achtzigjährigen Krieg. Der heute als Niederlande bekannte Staat umfasst in etwa das Gebiet dieser sieben Provinzen.
- Calvinismus: Die protestantische Konfession des Calvinismus geht auf den Schweizer Reformator Johannes Calvin zurück. Für ihn stand allein Gott im Mittepunkt des Glaubens. Er lehnte alles ab, was von Gott ablenken könnte. Dazu gehörten auch religiöse Rituale und Reliquienverehrung, wie sie es in der katholischen Kirche gab und gibt. Calvinisten, auch „Reformierte“ genannt, sind oft streng gläubig. Sie glauben daran, dass harte Arbeit, Strenge und Enthaltsamkeit zu Gott führen.
- Vreden: Vreden ist eine westfälische Stadt im westlichen Münsterland nahe der niederländischen Grenze. Sie geht auf ein im 9. Jahrhundert gegründetes Frauenstift zurück. Sie liegt am Flüsschen Berkel.
- Landesherr: Als „Landesherr“ wurde vom Mittelalter bis in die Neuzeit der Herrscher eines bestimmten Gebietes bezeichnet, zum Beispiel ein Herzog oder Bischof. Der Landesherr hatte militärische, rechtliche und wirtschaftliche Macht, konnte Steuern erheben und Gesetze erlassen. Er unterstand dem König beziehungsweise dem Kaiser.
- Burgmannshof: Die Männer, die auf einer Burg lebten und dort ihren Dienst für den Burgherren versahen, nennt man Burgmänner. Wenn die Burgmänner nicht auf der Burg wohnten, hatten sie eigene Häuser, die Burgmannshöfe genannt wurden. Acht Burgmannshöfe existierten in Haselünne, heute sind noch sechs erhalten.
- Stift/Stiftsfrau: Der Begriff „Stift“ beschreibt eine Gemeinschaft, in der, ähnlich wie in einem Kloster, Männer oder Frauen zusammenlebten, beteten und den Gottesdienst feierten. Die Angehörigen dieser Gemeinschaft nennt man Stiftsfrauen oder Stiftsherren. Anders als in einem Kloster musste man kein Gelübde ablegen, wenn man in ein Stift eintrat. Man musste also nicht schwören, arm zu leben und konnte aus dieser Gemeinschaft wieder austreten. Stifte gibt es in der katholischen Kirche heute nicht mehr.
- Kloster/Nonne: Ein Kloster ist eine christliche Gemeinschaft von Frauen oder Männern. Die der Gemeinschaft beigetretenen Menschen legen ein Gelübde ab. Das heißt, sie schwören, sich an die Klosterregeln zu halten, in Armut zu leben und das Kloster nicht mehr zu verlassen. Früher lebten sie meist abgeschieden von der Öffentlichkeit und widmeten ihren Alltag dem Beten und Arbeiten. Die Angehörigen von Klöstern nennt man Nonnen oder Mönche.
- Lateinschule: Seit dem Mittelalter existierten Schulen, die hauptsächlich in lateinischer Sprache unterrichteten. Sie hatten die Aufgabe, ihre Schüler auf eine Laufbahn als kirchlicher Würdenträger oder den Besuch einer Universität vorzubereiten.
- Reformation: Die Reformation war eine kirchliche Erneuerungsbewegung im 16. Jahrhundert, die zur Spaltung der Kirche führte. Martin Luther kritisierte 1517 mit der Veröffentlichung von 95 Thesen kirchliche Missstände. Ebenso taten es andere Reformatoren wie zum Beispiel Johannes Calvin.
- Kostjuffern: Adelige Mädchen („Juffern“ = Jungfrauen), die gegen Bezahlung im Klarissenkloster lebten und von den Nonnen unterrichtet wurden. Die katholischen Kostjuffern in Haselünne kamen zu großen Teilen aus den calvinistischen Niederlanden, aber auch aus dem Münsterland und dem Emsland. Im Kloster lernten die Mädchen Schreiben, Französisch und Handarbeiten.
- Elementarschule: Als Elementarschulen wurden ab dem 18. Jahrhundert die Vorläufer der heutigen Grundschulen bezeichnet. Eine andere Bezeichnung lautet Volksschule.
- Herzog von Arenberg: Nachdem das ursprüngliche Herzogtum in der Eifel im Zuge der französischen Besatzung verloren ging, bekam Herzog Ludwig Engelbert von Arenberg 1803 neue Gebiete zugesprochen. Darunter waren Teile des Emslandes um Meppen, zu denen auch Haselünne gehörte.
- Beginenhaus/Beginen: Beginen waren fromme, aber nicht an ein Klostergelübde gebundene Frauen, die ab dem Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert in Gemeinschaft lebten. Sie widmeten sich Gebet, Arbeit und der Pflege Kranker. Ein Beginenhaus oder Beginenhof war ihre Wohnstätte, oft mit Kapelle und Wirtschaftsgebäuden. Anders als Nonnen konnten sie Besitz haben und die Gemeinschaft verlassen. Besonders in Städten spielten sie eine wichtige soziale Rolle und kümmerten sich um Arme und Kranke.
- Napoleonische Herrschaft: Von 1794 bis 1815 befanden sich Teile Deutschlands und Europas unter französischer Besatzung. Nach der Besetzung linksrheinischer Gebiete 1794 wurden viele deutsche Staaten umgestaltet. Unter dem französischen Herrscher Napoleon verabschiedete Gesetze, bekannt als „Code civil“, brachten Reformen wie Rechtsgleichheit, doch es gab auch hohe Steuern und Rekrutierungen. 1815 endete die Herrschaft Napoleons nach vielen Kriegen endgültig mit seiner Niederlage und Verbannung.
- Armenversorgungskommission: Die „Armen-Versorgungs-Commission“ wurden 1820 von der Kirchengemeinde St. Vincentius und der Stadt Haselünne gegründet. Die Kommission versorgte bedürftige Personen mit Lebensmitteln, Geld, Lernmaterial, unterstützte bei der Lehrstellensuche und sollte durch die Einrichtung einer „Arbeitsanstalt“ Personen zu Arbeit verhelfen. Als ihre wichtigsten Aufgaben sah sie – neben der Unterstützung bedürftiger Personen – die Erforschung und Beseitigung der Armutsursachen an. Ihre Betätigungsfelder wandelten sich im Laufe der Zeit und passten sich neuen gesellschaftlichen Begebenheiten an. Die Kommission besteht in Form einer Stiftung bis heute.